Nachdem ich eine Weile mit meinem 18" Dobson beobachtet und eigentlich alles gesehen hatte, was ich sehen wollte, war mir nach einer neuen Herausforderung. Mein Schwerpunkt sollte nun die Mond- und Planetenbeobachtung werden. :) Dazu war der 18" wegen der längeren Auskühlzeit und des größeren Spiegels nur bedingt geeignet, weil ich fest gestellt hatte, dass man die volle Leistungsfähigkeit der 18" Optik nur an wenigen Tagen im Jahr wirklich ausnutzen konnte. Insofern stand für mich fest, das ein neues Teleskop mit einem kleineren Spiegel hermusste. Nachdem ich eine Weile hin- und herüberlegt hatte, hab ich mich für 14" Öffnung entschieden, weil ich zum einen viel Licht wollte, um auch weiterhin ernsthaft DeepSky Beobachtungen machen zu können, zum anderen sollte das Auflösungsvermögen über einem der weit verbreiteten 12 Zoll Teleskope liegen.
Herausgekommen ist ein Teleskop, das voll auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist:
Der Spiegel ist mir wirklich supergut gelungen. Hier hab ich mir auch besonders viel Mühe gegeben, die Parabel in engen Grenzen ins Ziel zu bringen. Es sollte der bestmögliche Spiegel werden, den man bekommen kann. Hier mal eine Messung der Spiegeloberfläche:
Mit einer Dicke von gerade einmal 22mm ist der Spiegel zudem recht dünn, was sich in einer kurzen Auskühlzeit niederschlägt. Nach 20-25 Minuten ist eine Temperaturdifferenz von weniger als 0.5K zur Umgebungstemperatur erreicht, so dass hohe und höchste Vergrößerungen möglich sind. Dies wird durch insgesamt 4 Lüfter mit einem Gesamtdurchsatzvolumen von 250m³/h erreicht. Rechnet man noch die Aufbauzeit hinzu, muss man nur 10min nach dem Aufbauen warten, um einen ausgekühlten Spiegel zu haben. Ein weiterer, sehr großer Vorteil ist, dass der Hauptspiegel der Temperatur nicht nachläuft, sondern die Temperatur bis zu einem Temperaturgradienten von 1.5K/h hält. Ähnlich große Spiegel sind 35-38mm dick und laufen der Temperatur nach, sobald sie nicht mehr gekühlt werden. Damit erreichen sie erst spät in der Nacht ihr thermisches Gleichgewicht, was zu lokalem Seeing und vermatschten Bilden führt. Der viel zu enge Tubus tut dann sein übriges dazu und so sieht man Planeten fröhlich vor sich hinblubbern. ;))
Der Spiegel ist mit einer 94% Beschichtung versehen, die im visuellen Bereich allerdings fast 96% erreicht. Es geht also fast kein Licht verloren und in Kombination mit einem hochreflektierenden Fangspiegel ergibt sich eine Lichtausbeute, die der eines käuflichen 16" Dobsons aus fernöstlicher Produktion entspricht. Der Fangspiegel hat außerdem noch eine Heizung spendiert bekommen, die mit den 12V vom Akku eine Leistung von 1.1 Watt und eine Laufzeit von über 20h erreicht. Damit kann man den Fangspiegel sogar in einer Polarnacht frei von Tau und Reif halten.
In Verbindung mit einem kleinen Fangspiegel von 63mm Durchmesser ergibt sich eine Obstruktion von 18%, die unter 20% liegt und somit vernachlässigt werden kann. Zieht man die MTF zu Rate, ergibt sich eine resultierende Obstruktion von 12%, was sehr kontrastreiche Bilder von Planeten und anderen Objekten ermöglicht. Simuliert man diese Obstruktion mit Abberator, so kann man so gut wie keinen Unterschied zwischen obstruiert und unobstruiert erkennen, es wird also auch hier das Maximum an Kontrast und Schärfe aus dem optischen System geholt. :))
Die Spiegelbox ist aus 12mm dickem Multiplex gefertig und innen mit Verstrebungen versteift. Darin befindet sich eine 6 Punkt- Lagerung auf einer dreieckigen Spiegelzelle, die von oben justiert werden kann. Dies war zum einen aufgrund einer Verringerung der Bauhöhe notwendig, zum anderen ist es ganz angenehm, von oben justieren zu können. Die Justage klappt sehr feinfühlig und genau, was ich in dem Ausmaß nicht erwartet hätte. Auf dem Bild erkennt man auch gut die 4 Lüfter. ;)) Während sie laufen, produzieren sie einiges an Luft, Geräuschen und Schwingungen. Das ist aber nicht weiter tragisch, da sie ja nur zum Auskühlen des Spiegels benötigt werden.
Schaut man sich Verbindung der Sicheln an, so fällt eine Diagonalverstrebung zur Spiegelbox auf. Dies hat einen enormen Steifigkeitsvorteil zur Folge, wie ich in Tests feststellen konnte. Die Verstellung in Azimut reagiert viel schneller und genauer auf Bewegungen, zudem werden Schwingungen reduziert.
Der Hut ist wie schon bei meinen bisherigen Teleskopen aus 15mm Aluvierkantrohr gebogen. Die Spinne ist aus dünnem Messingblech gefertigt und weist drei Arme auf. Das ergibt 6 schwache Spikes, die aber nach einem Test selbst bei einem hellen 2mag Stern kaum zu sehen sind. Bei Mars fallen sie schon ein wenig mehr auf, sind aber immer noch nicht störend, bei Einsatz eines leichten Graufilters verschwinden sie sogar fast gänzlich.
In Foren liest man manchmal, dass vier Arme besser wären, weil man dann vier Spikes bekommt, aber in Wirklichkeit sind es acht, von denen immer zwei zusammenfallen und damit doppelt so hell sind. Schaut man sich dann noch die dicken Streben der käuflichen Teleskope an, verwundert es nicht, dass die Planeten wenig ästhetisch aussehen. Auch die Trennung von Doppelsternen wird dadurch erschwert, nämlich dann, wenn der schwache Begleiter in einem der hellen Spikes zu finden ist. Eine Sichtung ist dann fast unmöglich.
Alles in allem ist mir in der ersten Beobachtungsnacht klar geworden, dass das Teleskop alle gestellten Anforderungen erfüllt. Auch bei sehr hohen Vergrößerungen von über 300x liefert es klare und scharfe Bilder mit immens vielen Details. :) Es müssen zwar noch ein paar Kleinigkeiten verbessert werden, aber das Gesamtkonzept ist voll und ganz aufgegangen