Ein ultraleichter 18" Reise- Lowrider


Viele träumen davon, mit einem großen Spiegel den Himmel zu beobachten. Je größer der Spiegel, umso weiter kann an in die Tiefen des Universums blicken und Dinge entdecken, die mit einem kleineren Teleskop verborgen bleiben. Mit diesem Teleskop ist es möglich, Wolken auf der Venus zu sehen, einen fünften Jupitermond zu entdecken oder eines der geheimnisvollen Kuipergürtelobjekte zu beobachten, die weit hinter Pluto ihre eisigen Bahnen sehen. Kugelsternhaufen des Messierkatalogs werden allesamt bis in den Kern aufgelöst, aber auch kleine Kugelhaufen aus dem NGC Katalog werden tlw. zu wunderschönen Objekten. Planetarische Nebel leuchten in den schönsten Farben, angefangen von blau, über türkis bis grün, manche mit einem weißlichen Ring im Inneren. Im Andromedanebel lassen sich die ersten Einzelsterne ausmachen und bis zu 70 Kugelsternhaufen entdecken. Eine stattliche Anzahl von Galaxien zeigt Spiralarme, dunkle Staubwolken oder helle HII Regionen. In Messier 87 ist bei sehr gutem Seeing sogar der Jet eines supermassiven schwarzen Lochs zu beobachten. Quasare sind bis in eine Entfernung von 12 Milliarden Lichtjahren zu sehen - fast am sichtbaren Rand des Universums angesiedelt. Wer bisher noch nicht an die Relativitätstheorie geglaubt hat, kann sie nun mit eigenen Augen bei einem Blick auf den Doppelquasar oder Einsteins Kreuz erleben.

Leider muss man bei vieler dieser Beobachtungen einen dunklen Himmel haben und gerade der ist in Zeiten der zunehmenden Lichtverschmutzung nur noch außerhalb der Ballungsgebiete zu finden. Gerade mit einer großen Öffnung ist es schwer, diese mit dem Auto zu transportieren. Also muss das Teleskop leicht und kompakt sein und so entstand eine Konstruktion mit folgenden Eckdaten:

Leistungsdaten:

Es ist klasse, mit einem 18 Zöller unter dunklen Himmel zu fahren, sei es im Urlaub oder einfach nur so. Gerade bei ersterem hat man immer wieder das Problem, das die Familie vielleicht auch mit möchte. ;)) Bisher musste das Teleskop daheim bleiben, doch mangelnder Platz ist mit diesem Dobson kein Problem mehr. Es lässt sich ohne Probleme zu einer kleinen Box zusammenfalten, von der man kaum annehmen würde, dass sich hier ein 18 Zöller darin versteckt. Gerade der Vergleich mit einer normalen 1.5 Liter Flasche zeigt, wie kompakt der Lowrider zusammengepackt werden kann.

Aufgebaut ist das Teleskop in 10-15 Minuten, wenn man es im "Transportmodus" belässt, auch in 5-10 Minuten. Insofern kann man auch relativ spontan beobachten gehen. Das Teleskop ist recht justierstabil und so reicht eigentlich ein feines Drehen an den Justageschrauben. Aufgrund des "Lowrider-Design's" braucht man auch bei Zenithbeobachtungen keinen Tritt oder Leiter. Es ist einfach was ganz anderes, mit beiden Beinen auf dem Boden stehen zu können, ohne Angst haben zu müssen, von einer Leiter zu fallen.

Gesamtansicht:

Spiegel und Fangspiegel:

Beide KOmponenten sind selbst geschliffen. Der Hauptspiegel besteht aus Borofloat und hat ähnlich günstige Eigenschaften wie Pyrex. Er verformt sich beim Abkühlen lange nicht so stark wie z.B. die Spiegel aus den Chinadobsons, außerdem braucht er auch weniger Zeit zum Auskühlen. Aufgrund der geringen Dicke von nur 27mm ist er in 30 Minuten einsatzbereit. Ein Lüfter war bisher noch nicht notwendig. Ein weiterer, sehr großer Vorteil eines dünnen Spiegels ist, dass er der Temperatur nicht hinterherläuft, sondern sich dieser anpasst. So befindet er sich die ganze Nacht über im thermischen Gleichgewicht, was deutlich höhere Vergrößerungen wie bei dickeren Spiegeln ermöglicht.

Zur Qualität des Spiegels ist zu sagen, der er bis 400x astifrei ist, höher hab ich bis jetzt nicht vergrößert. Zum Foucaultest ist zu sagen, dass man mit ihm gerade bei großen Spiegeln keine wirklich genauen Werte ermitteln und so natürlich auch keine Garantie auf diese Werte bzw. die Beugungsbegrenztheit des Spiegels geben kann und ich dies aus diesen Gründen auch nicht tun werde. Insofern ist der Sterntest ist da schon ein wenig hilfreicher, da man mit ihm zumindest schauen kann, ob Asti vorhanden ist.

Eine Diskussion über den Sterntest meines Spiegels gibt es im Astrotreff: Sterntest 18"

Spiegelbox und Zelle:

Die Spiegelbox ist aus 15mm Multiplex gefertigt und weist innen einen Ring aus 9mm Birke auf. Dieser verhindert zum einen das Eindringen von rückseitigem Streulicht, zum anderen versteift er die Spiegelbox. Die Zelle ist aus 15mm Aluvierkantrohr gefertigt. Da sie am Anfang ein wenig instabil war, musste ich sie hinten mit zwei weiteren 10mm Vierkantrohren verstreben.

Der Spiegel selbst ruht auf einer 18 Punkt Lagerung mit Schlinge. Asti konnte ich bisher noch keinen feststellen, so dass die Schlinge erstmal drin bleibt. ;) Die Auflagedreiecke sind aus 4mm dickem Alu gemacht, die 28mm breiten Wippen sind aus 3mm Stahl. Diese waren zuerst aus Alu, aber beim Bewegen des Teleskops traten ziemlich heftige Schwingungen auf, was das Fokussieren nahezu unmöglich machte.

Einen Lüfter habe ich bisher nicht eingebaut, werde ich in nächster Zeit aber vielleicht nachholen. Bisher war der Spiegel nach 30 Minuten eigentlich immer soweit ausgekühlt, dass man bis 200x vergrößern konnte.

Der Hut:

Der Hut besteht aus zwei gebogenen 15mm Vierkantrohren, die mittels dreier Gewindestangen miteinander verbunden sind. Wie oben schon erwähnt, können die Ringe mit Hilfe der Gewinde zusammen geschoben werden, was ein geringes Packmaß ermöglicht. Die Stabilität ist ausreichend und bisher hatte ich damit noch keine Probleme. Man muss halt darauf achten, dass die Flügelmuttern wirklich fest angezogen sind.

Man erkennt auf dem Foto zudem den schrägen Einblick eines Lowriders. Demzufolge muss natürlich auch der Fangspiegel ein wenig schräg angesetzt werden. Der OAZ ist ein 2“ Kineoptics, der auf einem kleinen Brett montiert ist. Die gesamte Einheit kann mit Hilfe von zwei Flügelmuttern komplett abgenommen werden. Vor dem Auszug ist eine Blende angebracht, um die Maße des Streulichtschutzes zu verringern. Da man schräg nach oben schaut, fällt viel mehr Licht direkt in den OAZ, was natürlich verhindert werden muss, um keine Kontrasteinbußen zu erleiden.

Die Stangen:

Hier kommen 22mm Stangen zum Einsatz, die außen schwarz eloxiert sind, um Streulicht zu vermeiden. Oben und unten werden die Stangen zusammengefasst, so dass im Prinzip alle miteinander verbunden sind. Die Befestigung am Hut geschieht wie bei meinen anderen Teleskopen wieder mittels Flügelschrauben. Unten sind dagegen 3mm Stahlwinkel angeschraubt, die einfach in die Halterung in der Spiegelbox eingefädelt und dann mittels Schnellspannern fixiert werden. Ein erster Versuch mit Aluwinkeln scheiterte, weil Alu einfach zu weich ist und somit störende Schwingungen auftraten.

EQ Plattform:

Das Beobachten ist natürlich viel komfortabler mit einer automatischen Nachführung. Man kann sich insbesondere bei höheren Vergrößerungen ganz auf das Objekt konzentrieren ohne ständig nachschubsen zu müssen. Die Platform wiegt ungefähr 6kg und weist eine Nachführzeit von rund 70 Minuten auf. Wenn die Plattform am Ende angelangt ist, muss der obere Teil nur kurz angehoben und zurückgestellt werden. Aus irgendeinem mir nicht näher bekannten Grund knarzt die Plattform manchmal. Es liegt wahrscheinlich an der Schnecke und dem Getriebrad.

Die Plattform hat zwei justierbare Füße und kann mit Hilfe einer kleinen Wasserwaage ins Lot gebracht werden. Leider sind die Gewindestangen der Füße ein wenig unterdimensioniert, so dass hier zusätzliche Schwingungen auftreten können, wenn die Füße zu weit rausgedreht sind. Ich wusste zwar, dass die Stangen wohl ein wenig zu dünn sind, aber da ich keine größeren Einschlagkrallen gefunden habe, hatte ich leider keine andere Wahl. Um die Plattform nach Norden auszurichten, kann auf dem oberen Teil ein kleiner Kompass angelegt werden, mit dessen Hilfe die EQ-Plattform in die richtige Richtung gedreht werden kann. So ist auch eine Einnordung bei hellem Dämmerungshimmel oder tagsüber möglich.

Da die Plattform recht niedrig baut, ändert sich die Einblickhöhe nur um ca. 8 Zentimeter. Doch trotz dieser Erhöhung kommt man auch weiterhin ohne Tritt aus. Und so sieht das ganze dann im Bild aus: